Dr. Ruth Kastner im Interview zur Landtagswahl am 07.05.2017 in Schleswig – Holstein

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Dr. Ruth Kastner
Dr. Ruth Kastner Landesvorsitzende der Fraktion Bündnis 90 die Grünen in Schleswig - Holstein. Interview zur Landtagswahl am 07.05.2017

Ich freue mich heute einen sehr geschätzten Gast bei Deutsche Politik News begrüßen zu dürfen. Im Gespräch mit Frau Dr. Ruth Kastner, der Landesvorsitzende der Fraktion Bündnis 90 die Grünen und Ihrer Direktkandidatin für die Landtagswahl im Kreis Stormarn.

Frau Dr. Ruth Kastner  ist eine jung gebliebene 66 Jahre junge Frau aus dem schönen Hamburg. Seit 20 Jahren wohnt Frau Kastner im schönen Barghteheide, einem kleinen Ort östlich von Hamburg. Frau Kastner ist verheiratet hat eine Tochter, genießt den Ruf ein echter Familienmensch zu sein und legt bei tollen Projekten auch gerne selber Hand an. Ich selber habe sie erlebt als ein echter Macher Typ mit viel Sinn für soziale Gerechtigkeit, Verantwortung für die Zukunft und einem ausgeprägten Humor.




Sehr geehrte Frau Kastner, ich freue mich sehr dieses Interview mit Ihnen führen zu dürfen. Ich habe einige zentrale Interessenspunkte und Punkte aus Ihrem Parteiprogramm mit eingebunden. Für die Wähler und Wählerinnen, ist es wichtig zu wissen wen sie wählen, deshalb erzählen Sie doch einmal wer Sie sind. Welche Ausbildung haben Sie gemacht, wo haben Sie gearbeitet? Sind Sie ein Familien Mensch oder konzentrieren Sie sich lieber allein auf Ihre Karriere?

Ich bin ein ausgesprochener Familienmensch, bin als älteste Schwester mit vier Brüdern in Hamburg aufgewachsen. Habe dort nach dem Abitur an der Universität Germanistik und Geschichte studiert.
Mein Schwerpunkt: die „Reformationszeit“. Dabei haben mich weniger die theologischen Auseinandersetzungen Martin Luthers mit der Papstkirche interessiert als vielmehr die Reformation als soziale Bewegung. Wie die Menschen, der „gemeine Mann“, um das Jahr 1517 aufgestanden sind gegen Ungerechtigkeit und Unterdrückung. Die Bauernkriege sind ein Beispiel dafür. Der Dreißigjährige Krieg 1618 – 1648 war dann eine furchtbare Zeit der Machtkämpfe in Europa. Auch deshalb ist für mich ein geeintes Europa ein großes Friedensprojekt, an dem wir – bei aller Kritik- mit großer Kraft weiterarbeiten müssen.
Nach mehreren Jahren wissenschaftlicher Arbeit an der Hamburger Universität wollte ich raus ins normale Leben, habe bei den „Kieler Nachrichten“ ein Volontariat gemacht, um anschließend mehr als zwei Jahrzehnte beim „Hamburger Abendblatt“ als politische Redakteurin zu arbeiten. Erst nach meinem Ausstieg 2009 bin ich in die Grüne Partei eingetreten. Seit 2012 verantworte ich als Landesvorsitzende mit anderen unsere Grüne Politik in Schleswig-Holstein und besonders in der Küstenkoalition mit SPD und SSW.
Als Norddeutsche und Nordeuropäerin schlägt mein Herz besonders für Schweden. Das „Skandinavische Modell“, d.h. die Art und Weise wie in Schweden das soziale System und die Marktwirtschaft ausgebildet sind, mit Gleichberechtigung, Orientierung am Gemeinwohl und Liberalität, fasziniert mich.

Welches ist Ihr persönliches Lieblingsthema in diesem Wahlkampf und was unterscheidet Sie von Ihren Mitbewerbern?

Ich streite dafür, dass Bürgerinnen und Bürger an den Entscheidungen der Politik vor Ort noch viel stärker beteiligt werden, und zwar frühzeitig und umfassend. Dazu müssen Regeln vereinbart und dann auch für alle verbindlich sein. Mir geht es um Politik im Dialog, Politik darf nicht über die Köpfe der Menschen hinweggehen. Zuhören und Interessen ausgleichen. Kompromisse finden. Demokratie ist auch ein Stück Arbeit.

Ihr USP (Alleinstellungsmerkmal) ist einer der wichtigsten Schlüssel zum Wahlerfolg, warum sollten die Bürger auf Sie bzw. die Grünen setzen?

Wir Grüne setzen uns ein für Klimaschutz und Umweltschutz, auch dann noch, wenn es Widerstand von starken Lobbygruppen gibt. Momentan sind wir nahezu die einzigen, bei denen Klimaschutz noch eine Rolle spielt und die sich für eine konsequente Energiewende stark machen. Trump lässt grüßen! Die Große Koalition (CDU/SPD) in Berlin bremst aus. Wir Grüne setzen auf Erneuerbare Energien aus Sonne, Wind und Wasser und wollen die Chancen der Wertschöpfung für die Arbeitsplätze der Zukunft nutzen: Wasserstofftechnologie, Speicherung, Lastmanagement.
Unsere ökologische Politik kommt allen Menschen zugute, vor allem denen mit kleinem Geldbeutel. Auch sie haben ein Recht auf gesunde Lebensmittel, sauberes Wasser, weniger Luftverschmutzung, Schutz vor Lärm und mehr Grün in unseren Städten. Schöne Parks und ruhige Plätze müssen für alle da sein.

Umweltbildung ist ein wichtiges Thema für unseren Nachwuchs, wie glauben Sie können wir dies weiter fördern?

Wir müssen schon spielerisch in der Kita mit der „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ beginnen. Dazu müssen die Lehrpläne und Ausbildung von ErzieherInnen und LehrerInnen entsprechend ergänzt werden. Waldkindergärten, gemeinsames Gärtnern, Ausflüge auf Bauernhöfe sind wichtig, um anschaulich Einblick in natürliche Zusammenhänge zu geben. Dies alles fördern wir. Auch das Wissen über die Grundlagen gesunder Ernährung plus Kochen gehört für uns auf den Stundenplan.

Vielen Eltern ist es wichtig, dass ihre Kinder gut und gesund aufwachsen, würden gerne Bio kaufen, können es aber nicht. Dies ist für viele nicht nur benachteiligend, sondern auch gesundheitsgefährdend. Wie kann man das Angebot in Schleswig Holstein so weit erhöhen, das der Preis auf ein für alle bezahlbares Niveau sinkt?

Wir wollen, dass überall in Kitas und Schulmensen gesundes Bio-Essen angeboten wird. Damit wäre eine Bio-Grundversorgung für alle Kinder gewährleistet. Wir werden auch Landwirte, die auf Öko-Landbau umstellen wollen, weiter fördern, so dass sich das Angebot an Bio-Lebensmitteln insgesamt erhöht.
Ansonsten: Günstig sind Einkäufe von Bio Obst und Gemüse, wenn gerade Erntezeit ist. Gemeinschaftlich gärtnern, urban gardening, bringt Spaß und als Lohn bezahlbares Obst und Gemüse. Wir wollen mehr Streuobstwiesen anlegen und sie zur freien Nutzung überlassen. Viel Geld können Familien sparen, wenn sie beispielsweise ihren Fleischkonsum etwas reduzieren.
Aber vor allem müssen Familien ein ausreichend hohes Einkommen haben. Voraussetzung sind faire Löhne und nach Grünem Verständnis auch eine Kindergrundsicherung.

Ihre Partei fordert eine Stickstoffabgabe beim Düngemanagement. In wie weit wären denn Autofahrer mit einbezogen? Und für wie sinnvoll würden Sie eine solche Abgabe halten um die Elektromobilität zu fördern?

Eine Stickstoffabgabe ist ein entscheidendes Instrument für das Problem der Überdüngung und zur Begrenzung der Ausbringung von Gülle. Für die Umsteuerung hin zu einer Verkehrswende und zu Elektroautos ist eine Stickstoffabgabe nur begrenzt wirksam. Wirksamer wäre hier, den Kohlenstoffgehalt im Kraftstoff als Maß für die Energiesteuer heranzuziehen. Denn im Verbrennungsmotor entsteht das klimawirksame CO2. Mit einer Energiesteuer könnte auch die Elektromobilität wirksam gefördert werden.

In einem weiteren Schritt wäre eine Emissionsabgabe auch auf Stickoxide und auf nukleare Emissionen ein probates Mittel, Belastungen für die Umwelt und den Menschen endlich einzupreisen. Das verteuert die Nutzung fossiler und nuklearer Techniken und macht sie unwirtschaftlich.

Sauberes und ausreichendes Trinkwasser ist für alle Menschen ein wichtiges Thema, wie soll in Schleswig Holstein sicher gestellt werden, das dies auch so bleibt?

Die Düngemittelverordnung ist nur ein erster Schritt, um die Ausbringung von Gülle zu reduzieren. Hinzukommen muss noch eine Abgabe auf Pestizide und Agrargifte. Spuren von Pflanzenschutzmitteln sind bereits in unserem Grundwasser nachgewiesen. Ein weiterer Schutz – und von der EU gefordert – sind mindestens ein Meter breite Gewässerrandstreifen. Die müssen durchgesetzt werden.

Das Wattenmeer ist ein Weltnaturerbe, trotzdem wird dort von der Ölindustrie weiterhin Öl gefördert, wie soll sichergestellt werden, das soetwas wie im Golf von Mexiko nicht auch bei uns passiert.
Die Ölplattform Mittelplate im Wattenmeer vor Dithmarschen ist in keiner Weise vergleichbar mit der schwimmenden Bohrplattform Deep Water Hoizon im Golf von Mexiko. Die Mittelplate ist keine schwimmenden Bohrinsel, sondern eine künstliche Insel auf festem Wattboden. Sie ist so aufgebaut, dass im Schadensfall austretendes Öl vollständig aufgefangen wird. Im Übrigen werden alle Aktivitäten auf der Mittelplate konsequent vom Energieministerium überwacht und jede Veränderung bedarf einer neuen behördlichen Genehmigung.

Die Fischerei ist ein zentrales Thema in Schleswig Holstein, viele bestände sind überfischt oder wie der Thunfisch in der Nordsee sogar ausgestorben. Wie wollen Sie die Kontrolle der Fischer fördern und gleichzeitig sicherstellen, dass den Fischern auch wirtschaftlich entgegengekommen wird.

Überfischung der Meere – ob in der Nord- und Ostsee – ist ein globales Problem. Können wir allein nicht lösen. Wir machen uns stark für eine Reduktion der Fangquoten von gefährdeten Beständen. Darüber wird allerdings auf EU-Ebene entschieden. In Schleswig-Holstein sind wir im Dialog mit den Berufsfischern. Für sie sehen wir finanzielle Hilfen vor, wenn jetzt beispielsweise für Dorsch Laichschutz-Fangverbote in der westlichen Ostsee bestehen.

Beim Thema Ressourcenschutz, sprechen Sie davon, mit natürlichen Ressourcen sparsam umzugehen, jedoch beim Punkt CO2 wollen Sie mehr Holz als Baustoff einsetzen. Wie ist das miteinander zu vereinbaren und was bedeutet es konkret für die heimische Flora und Fauna?
Holz ist ein nachwachsender Rohstoff, der beim Wachsen das CO2 aus der Atmosphäre aufnimmt. Darum wird mit der Nutzung von Holz als Baustoff anstelle von Beton eine wichtige CO2-Senke geschaffen. Dazu gehört natürlich ein nachhaltiger Umgang mit dem Holz. Es darf nur so viel Holz verwendet werden, wie auch wieder nach wächst. Dann ist Holz ein wirklich klimaschonender und nachhaltiger Baustoff.

In den heutigen Tagen, steht das Dieselauto nicht gut da. Viele Politiker und Umweltschützer, würden es gerne abschaffen um die Elektromobilität zu fördern. Was planen Sie, um in Schleswig Holstein den nötigen Beitrag zu leisten, das Ziel, in der Bundesrepublik im Jahre 2020 1Mio. Elektroautos auf den Straßen zu haben, zu erreichen.
Robert Habeck, Grüner Energiewendeminister, hat ein Förderprogramm für den zügigen Ausbau der Infrastruktur von Schnell-Ladesäulen aufgelegt. Das kann nur der kleine Anfang sein. Wir werden zudem Forschung und Innovationen fördern, und dafür sorgen, dass erneuerbarer Strom auch günstig in die E-Mobilität gebracht wird. Dafür wollen wir ein Cluster E-Mobilität in Schleswig-Holstein bilden. Es gibt bereits viele innovative Unternehmen, besonders an der Westküste, die an intelligenten Konzepten für die E-Mobilität arbeiten.

Wie steht Ihre Partei zum Thema Beltüberquerung?

Wir lehnen die feste Fehmarnbeltquerung ab. Sie ist ein extrem teures Milliardenprojekt mit vergleichsweise geringem Nutzen. Sie zerstört sensible Gebiete, beeinträchtigt den Tourismus in der Lübecker Bucht. Bringt Güterdurchgangsverkehre mit entsprechender Lärmbelastung in den dicht besiedelten Hamburger Rand (Stormarn).
Es existiert via Vogelfluglinie eine Fährverbindung nach Schweden, die weiter optimiert werden kann. Außerdem sollte nach unserem Verständnis die Jütlandroute als Verbindungsachse nach Skandinavien weiter ertüchtigt werden.

Welche Möglichkeiten kommen für Sie in Betracht, den ökologischen Fußabdruck, von Schleswig Holstein in Richtung der benötigten 1 zu bringen?

Dies kann in Schleswig-Holstein allein nur begrenzt geschehen. Die entscheidenden Hebel befinden sich in der Bundespolitik und in Europa. Entscheidend ist dabei, dass der nicht mehr funktionierende Zertifikatehandel für CO2 umgestellt wird auf eine konsequente CO2-Besteuerung. Wer Raubbau an der Umwelt betreibt, muss dafür auch bezahlen. Die dazu notwendigen Initiativen werden wir über den Bundesrat in die Bundespolitik einbringen.

Wie werden Sie nach der Wahl, mit dem Thema Fracking umgehen?
Wie vor der Wahl: wir lehnen Fracking ab und haben alles unternommen, damit keine Genehmigungen erteilt werden müssen. Entscheidend ist letztlich eine Änderung des Bergrechts auf Bundesebene. Darauf wirken wir hin.

Kommen wir zu den Menschen, die in diesen Tagen unsere Hilfe benötigen. Können Sie sich vorstellen Flüchtlingen oder Arbeitslosen, in konkrete Umweltschutzprojekte mit einzubinden, ihnen dadurch eine sinnvolle Aufgabe zu geben und Ihnen dadurch bei der Integration behilflich zu sein? Und wenn ja, wie?
Ich wünsche mir, dass noch mehr Geflüchtete in Umweltschutzprojekten eingesetzt werden. Das geschieht bereits und ist bestens zur Integration geeignet. Das Freiwillige Ökologische Jahr in Schleswig-Holstein steht auch Geflüchteten offen. Ich kenne Kulturgärten (beispielsweise Bad Oldesloe) und Urban Gardening-Projekte (Kiel), bei denen Geflüchtete längst mitarbeiten – mit großem Gewinn für alle Beteiligten.


Liebe Frau Kastner, ich bedanke mich bei Ihnen für dieses tolle Interview. Ich hoffe das es den Wählern und Wählerinnen in Ihrem Wahlkreis dabei hilft eine Entscheidung für sich zu treffen, wo das Kreuz am 07.05.17 gemacht werden soll.

Das Team von Deutsche Politik News wünscht Ihnen viel Erfolg alles Gute für Ihre Zukunft.

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